Ein Buch hat er auch noch geschrieben

Würziger Wahnsinn: Rottacher hat 1000 Salz- und Pfefferstreuer im Keller

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Rund 1000 Salz- und Pfefferstreuer-Figuren hat Rudolf Elhardt im Keller. Er sei aber kein Sammler, sondern ein „Aussortierer“, sagt der Hobby-Volkskundler.

Es gibt nichts, was man nicht sammeln könnte: Rudolf Elhardt aus Rottach-Egern zum Beispiel hat 1000 Salz- und Pfefferstreuer zusammengetragen. Wir waren in seinem Keller zu Gast.

Rottach-Egern – Zuletzt widmete er sich Luther (wir berichteten), nun ist es das kuriose Universum der Würz-Figürchen: Mit seinem soeben erschienen Buch „Die wunderbare Welt der Salz- und Pfefferstreuer“ hebt Rudolf Elhardt aus Rottach-Egern nicht nur eine Nische der Volkskunst raus aus dem Schattendasein, sondern auch gleich eine ganze Sammlergemeinschaft.

Vor etwa 20 Jahren war Elhardt, damals noch Hochschuldozent für Pädagogik und Vize-Bürgermeister im nordrhein-westfälischen Siegen, während einer Amerikareise auf ein kulturhistorisches Phänomen gestoßen. Denn in den USA hat das Sammeln von Salz- und Pfefferstreuern in allen denkbaren und undenkbaren Formen Tradition, seit etwa 80 Jahren. Es gibt Messen, Wettbewerbe, Bundes- und Landesverbände sowie die entsprechende Literatur dazu. „Im calvinistisch geprägten Amerika musste alles seinen wirtschaftlichen Nutzen haben“, erklärt Elhardt. „Anstatt Nippes-Figuren, die, weil überflüssig, ein Zeichen von Wohlstand waren, stellte man dort lieber Salz- und Pfefferstreuer auf.“ Selbst der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan war ein Fan, verschenkte gerne Salz- und Pfefferstreuer in Form des Capitols oder des Washington Monuments und ließ die figürlichen Gewürzstreuer stets bei offiziellen Essen auf die Tafel stellen. Auch der historisch interessierte Elhardt erlag diesem kleinen Volk – wie mittlerweile viele Kanadier, Australier und Europäer.

„Bei uns gibt es zwar ein virtuelles Salz- und Pfefferstreuer-Museum eines Sammlerpaares aus Ratingen, aber es gab noch keine Literatur“, erklärt der Rottacher. Diese Lücke hat er nun eigenhändig geschlossen. Er selbst sei, obwohl er von besagter Reise kofferweise Salz- und Pfefferstreuer mitbrachte und rund tausend würzende Pärchen im Keller stehen hat, kein Sammler, sondern ein „Aussortierer“.

In seinem reich bebilderten Büchlein geht Elhardt auf Historie und Entwicklung ein, von der Vermögen repräsentierenden Salzschale bis zum hygienischeren und besser portionierenden Streuer ein. Er stellt klar, dass das Salz traditionell immer in den Streuer mit mehr Löchern zu füllen ist und der Pfeffer in den mit weniger Löchern – aufgrund der Würzkraft.

Elhardt unterteilt das Sujet nach Materialen und Special Effects (Batterie, Magnete), weist Design- und Kunstobjekte (etwa von Picasso und Klimt), Antiquitäten und Firmenwerbung (etwa für den Tourismus oder Brauereien) aus und unterteilt die figurativen Exemplare in Kategorien. Unter „Bayern“ finden sich sowohl lederbehoste Figuren aus aller Welt als auch Exemplare, die tatsächlich hier hergestellt wurden, etwa in der Jachenau. Die meisten deutschen Produktionen stammen aus bekannten Porzellan-Firmen wie Göbel oder Rosenthal.

Unter „Politik“ findet man Franz Josef Strauß, Erich Honecker, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, Hitler (als Stinktier), Putin, Bush und das gesamte Kabinett Schröder. „Skurilles“ vereint Forscher und Kannibalen-Kochtopf oder Gehirnhälften. Als „Paare“ präsentieren sich unter anderem Bonnie und Clyde, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Marylin Monroe und James Dean, aber auch ein Araber mit seiner Burka-Frau. „Die Ausführungen sind aktuell und spiegeln auch immer die politischen und sozialen Themen ihrer Zeit“, begeistert sich der Rottacher Hobby-Volkskundler.

Besonders angetan haben es Elhardt aber die amerikanischen „Ausstellungen“. Dort sind Sammler angehalten, unter einem bestimmten Thema, wie etwa „Wahlen“, „Erster Schultag“ „Weihnachten“ oder „Ostern“, aus ihren Beständen eine eigene Ausstellung in einem Schuhkarton zu kuratieren. Das mache das Völkchen der Salz- und Pfefferstreuer zu Volkskunst.

Das Buch

„Die wunderbare Welt der Salz- und Pfefferstreuer“, erschienen im S. Roderer Verlag, Augsburg, kostet 27,80 Euro (ISBN 978-3-89783-888-8).

Quelle: tz