Zehn Fakten über unsere Arbeitsplätze

Jeder ahnte es, jetzt bestätigen es die Experten: Die Zahl der Arbeitslosen steigt wieder.

Die Grafik zeigt, dass besonders das Flughafen-Gebiet um Freising und das Industriegebiet um Ingolstadt mit einer Quote von 3,2 Prozent gut dastehen. In Klammern die Quote vom Januar 2008.

Am Donnerstag gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) bekannt, dass in Deutschland die Zahl der Menschen ohne Job im Vergleich zum Vormonat um 387 000 auf 3,489 Milllionen angewachsen ist. Die Arbeitslosenquote ging somit um 0,9 Punkte auf 8,3 Prozent nach oben. Dies sei zum einen natürlich auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen, zum anderen aber auch auf den harten Winter.

Und auch Bayern trifft die Flaute hart. Im Freistaat – der dennoch im Bundesdurchschnitt noch immer top ist – ging die Zahl der Erwerbslosen im Januar von 4 auf exakt 5 Prozent hoch. Heißt: Genau 67 827 Menschen mehr sind ohne Arbeit. Stellt sich die Frage: Müssen nun alle Angst vor der Zukunft haben? „Nein“, sagt Frank-Jürgen Weise, Chef der BA. „Der Arbeitsmarkt funktioniert noch. Es gibt keinen Grund zur Schwarzmalerei.“ Warum das besonders in Bayern so ist, erklärt die tz anhand von zehn Fakten:

  • Von einer „Krise auf dem Arbeitsmarkt kann noch nicht die Rede sein“, betonen die Experten immer wieder. Mit gutem Grund: Zwar ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen, sie ist aber noch immer weitaus niedriger als zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren. Das Beispiel Bayern verdeutlich dies: Hier ist die Zahl der Erwerbslosen auf 330 597 hochgegangen. Im Januar vor einem Jahr waren aber 348 167 Personen im Freistaat ohne Job – und im Januar 2005 sogar 578 772. „Wir stehen also noch immer gut da, besonders da im Winter die Zahlen immer nach oben gehen“, erklärt Bayerns BA-Chef Rainer Bomba.
  • Die Krise wird einige Arbeitsbereiche besonders treffen. So gibt es Probleme in der Autoindustrie (besonders bei den Zulieferern), natürlich im Bankenwesen sowie im Bau – durch weniger Aufträge.
  • Im Gegensatz dazu haben aber viele Bereiche bisher gar keinen Grund zur Sorge: „Im riesigen Dienstleistungsbereich ist noch gar nichts von der Flaute zu bemerken. Das ist unter anderem ein Grund, warum München der Krise noch erfolgreich trotzt“, erklärt Bernd Becking, Münchens BA-Chef. Die Zahl der Arbeitslosen liegt im Stadtgebiet bei 4,9 Prozent und ist somit „nur“ um 0,8 angestiegen.
  • Besonders hart trifft die schlechte Konjunktur die unter 25-Jährigen: Die Jugendarbeitslosigkeit stieg in Bayern von 2,9 auf 4, 3 Prozent im Januar. „Wegen der unsicheren Zukunft wurden viele befristete Verträge in der Industrie nicht verlängert.“
  • Ein gutes Zeichen für die Zukunft ist die große Zahl an offenen Stellen. So gibt es alleine in München derzeit rund 11 000 Jobs – besonders im Pflege- und Werbebereich sowie als Bürofachkraft. „Zudem gibt es einen Mangel an Fachkräften – wie Ingenieuren“, erklärt Becking. Bundesweit sind es 485 000 Jobs!
  • Um die Lage noch zu entschärfen, will die BA auch verstärkt auf Kurzarbeit setzen. Heißt vereinfacht: Der Arbeitnehmer, der vom Arbeitgeber nur teilweise benötigt wird, bekommt einen Teil seines Gehalts von der Agentur – behält aber seinen Job. „So wollen wir verhindern, dass Menschen entlassen werden“, erklärt Bomba. „Wir hoffen, dass auch der Mittelstand bald dieses Mittel mehr nutzt.“ Immerhin hat die BA dafür Rücklagen in Höhe von 17 Milliarden Euro.
  • Die größten Problembereiche bei der Arbeitslosigkeit in Bayern sind der Kreis Hof (7,8 Prozent) und Passau (6,9 Prozent). „Hier fehlt es einfach zu stark an Industrie und Infrastruktur.“
  • Absolutes Schlusslicht bei der Arbeitslosigkeit ist bundesweit aber Mecklenburg-Vorpommern mit 16,5 Prozent Joblosen.
  • Wie lange die Arbeitslosenzahlen steigen werden, weiß niemand: „Wir gehen davon aus, dass sie in den nächsten zwei Monaten noch nach oben gehen werden – was dann kommt, kann keiner sagen“, so Bomba. Greife das Konjunkturprogramm, könne sich auch alles wieder schnell stabilisieren.
  • Einig sind sich die Experten, dass die derzeitige Krise kein Super-GAU werden wird. „Auf dem Arbeitsmarkt wird es nicht ganz so schlecht werden wie in vergangenen Abschwüngen“, so Frank-Jürgen Weise.

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Quelle: tz

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