Polizei: So ein Unfall ist nicht zu verhindern

Drama um Bub (†14) am Bahnübergang in Schrobenhausen: Zeuge widerspricht ersten Annahmen

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Unglücksstelle: Hier wurde der Bub vom Zug erfasst, die beiden roten Striche im Kies erinnern an das Unglück vom Mittwoch.

Das tödliche Drama um einen 14-Jährigen aus Schrobenhausen hat sich offenbar etwas anders abgespielt, als zunächst angenommen wurde.

Schrobenhausen - Schnell ins Freibad! Die Schrobenhauser Zwillingsbrüder Marco und Max (14, Namen geändert) und ein Spezl (13) schwangen sich am Mittwochnachmittag auf ihre Radl und wollten von der Neuburger Straße in die Thaddäus-Siber-Straße, wo das kühle Nass lockte. Dazwischen liegt ein beschrankter Bahnübergang, und hier kam es zu einer unfassbaren Tragödie: Die Schranke hatte sich gesenkt, Marco umfuhr sie aber und wurde von der Bayerischen Regiobahn erfasst, die gerade von Ingolstadt einfuhr. Der 14-Jährige war sofort tot, sein Zwillingsbruder und der Freund mussten das schreckliche Geschehen mitansehen.

Zunächst hatte es geheißen, der blonde Bub sei über einen nahen Trampelpfad aufs Gleis gefahren. Durch eine Zeugenaussage ergab sich am Donnerstag aber ein anderes Bild. Ein Autofahrer, der vor Rotlicht und Schranken wartete, sah die drei Jungs. Sie standen demnach rechts auf dem Radlweg. Einer der drei - also Marco - schob sein Rad plötzlich durch einen Spalt zwischen Andreaskreuz und Schranke. Er stieg laut Zeuge dann wieder aufs Radl und wollte den Bahnübergang überqueren.

Bub wird von rechter Seite des Triebwagens erfasst

Die beiden anderen Schüler sahen jetzt den Zug und riefen: „Pass auf, der Zug kommt!“ Zu spät, der Bub wurde von der rechten Seite des Triebwagens erfasst. Der Zugführer hatte keine Chance, rechtzeitig zu bremsen. Die armen Kinder gerieten nun in Panik. Sie strampelten die wenigen hundert Meter zum Elternhaus zurück und alarmierten Marcos Mutter. Die wählte den Notruf. Der Vater der Zwillinge raste zur Unfallstelle. Doch Hilfe kam hier zu spät.

Wie konnte es dazu kommen? Hauptkommissar Hans-Jürgen Bartl, Vizechef der PI Schrobenhausen: „Der Bahnübergang ist uns nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Es war der erste derartige Unfall hier.“ Und: So ein Unfall sei nicht zu verhindern. Dort, wo Max den Zwillingsbruder verlor, mit dem er alles gemeinsam gemachte hatte, Fußballspielen etwa, befinden sich nun zwei hingesprühte Striche im Kies. In der Farbe Rot.

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Markus Christandl

Quelle: tz