Inzidenz unter 50 in Oberbayern

Zum ersten Mal in diesem Jahr: Alle Kinder wieder in der Schule - so lief der erste Tag

Die Schüler des Wilhelms-Gymnasiums in ihrem Klassenzimmer
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Ein ungewohntes Bild: Die Reihen im Klassenzimmer der 8c des Wilhelms-Gymnasiums sind wieder voll.

Für die einen bedeutet es früh aufstehen, für die anderen viel Organisation. Aber für Lehrer und Schüler bedeutete der gestrige Montag vor allem ein Wiedersehen.

Zum ersten Mal in diesem Jahr dürfen fast alle Schulklassen und Kita-Gruppen wieder komplett in den Unterricht – mit Masken und Schnelltests. Nach dem ersten Schultag sind die meisten Kinder glücklich. Auch die Lehrkräfte äußern sich zufrieden – aber fürchten nach Monaten des Ausnahmeunterrichts Lernlücken.

Die Vorfreude auf die Schule war nach den Ferien nie so groß wie heute. „Man hat es den Schülern angemerkt – und auch ich habe mich in den vergangenen Tagen richtig darauf gefreut“, sagt Deutsch- und Mathelehrerin Simone Röhrl, 31, von der Chiemsee-Realschule in Prien. Schulen in Regionen mit einer Inzidenz unter 50 dürfen wieder alle Kinder empfangen. Derzeit liegt kein Landkreis in Oberbayern darüber. Für viele Kinder ist es das erste Wiedersehen seit Weihnachten.

Wir hatten uns alle viel zu erzählen nach der langen Zeit

Sandro Berger, 12

Sandro Berger beispielsweise hatte seinen Banknachbarn seit einem halben Jahr nicht gesehen. „Es ist schön, mal wieder mit allen zusammen zu sein“, sagt Sandro. Der Zwölfjährige besucht die siebte Klasse am Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium in Pullach (Landkreis München). „Wir hatten wir uns alle viel zu erzählen nach der langen Zeit.“ So viel, dass sich manche Lehrer gar das Homeschooling zurück wünschten: „Da konnte man unsere Mikrofone ausschalten, dann war es ruhig“, sagt Sandro. An den Lärm im Klassenzimmer muss sich auch die Priener Lehrerin Röhrl wieder gewöhnen. „Die Geräuschkulisse ist ein großer Unterschied“, findet sie.

Lernen zu Hause lief unterschiedlich erfolgreich . Manche haben davon profitiert

Auch ihre Schüler sehen das so. Gestern hat sie mit ihnen besprochen, was gut und was schlecht lief beim Lernen zu Hause. Ihr Eindruck: „Die Kinder haben alle Themen mitbekommen.“ Teile des Lernstoffs möchte sie trotzdem wiederholen. „Natürlich macht man sich Sorgen, ob bei den Kindern Lernlücken entstanden sind“, sagt Röhrl. Sie hat unterschiedliche Effekte des Lernens zu Hause beobachtet. „Manche brauchen die Struktur der Schule“, sagt sie. Andere – etwa Schüler, die sich leicht ablenken lassen oder am liebsten selbstständig arbeiten – „haben vielleicht sogar davon profitiert“.

Zurück ins Homeschooling – darauf hätte ich wirklich keine Lust mehr

Niklas Schulz, 15

„Es ist schön wieder hier zu sein“, sagt Julia Wongkaew. Das Homeschooling fand die Achtklässlerin des Münchner Wilhelms-Gymnasiums „aber auch nicht anstrengender.“ Ihr Klassenkamerad Niklas Schulz, 15, findet klare Worte: „Zurück ins Homeschooling – darauf hätte ich wirklich keine Lust mehr“.

Testpflicht bleibt bestehen, und zwar unabhängig von der Inzidenz

Sandro Berger sieht das genauso: „Ich bin viel lieber in der Schule als daheim vor dem Computer“. Und das, obwohl der Bub am heimischen Schreibtisch gut zurecht kam und für den Unterricht wieder früher aufstehen muss. Der längere Schlaf ist nicht das einzige Opfer, das die Kinder bringen müssen. „Ein paar haben sich beschwert, dass der Kühlschrank weiter weg ist als daheim“, sagt Röhrl lachend. Noch ein Unterschied zum Home-Schooling: Der Schnelltest, den die Kinder vor dem ersten Schultag gemacht haben. Zweimal pro Woche muss jeder Schüler ein negatives Testergebnis vorweisen, um am Unterricht teilzunehmen. Das gilt auch für die Lehrkräfte.

Auch in der Kita kann man Tests bekommen - es ist aber kompliziert.

Tests können seit dieser Woche auch Kindergarten- und Krippenkinder in Anspruch nehmen. Das Procedere ist nicht ganz so einfach wie in der Schule, wo jedes Kind einfach ein Stäbchen bekommt. Eltern kriegen in der Betreuungseinrichtung einen Berechtigungsschein. Den nehmen sie mit in die Apotheke, wo sie ein Schnelltest-Kit erhalten, lassen den Schein abzeichnen und bringen diesen wieder zurück in den Kindergarten. „Es ist nicht ganz einfach“, sagt Tina Staudt, Leiterin des Kindergartens „Kinderwelt“ in Hohenbrunn im Landkreis München. „Von den Eltern gab es bisher noch gar keine Nachfragen“, sagt Staudt. Ein Vorteil der Einrichtung: Direkt in der Nachbarschaft gibt es eine Teststation, die „Lollytests“ anbietet. Bei den Kindern sind diese Tests beliebter.

Die Testungen sind Teil der Öffnungsstrategie der Staatsregierung. „Es nennt sich seit heute wieder Regelbetrieb“, sagt Staudt. Es gelten noch Einschränkungen. „Wir dürfen keine Externen reinlassen. Kein Kasperle-Theater für die Kleinen, kein Trommelworkshop für die Vorschüler“, erklärt sie. Rund ein Drittel der Kinder habe in der Notbetreuung der vergangenen Monate gefehlt. „Jetzt sind wir wieder komplett“, sagt Staudt. Sie hat einen stressigen ersten Tag erlebt. „Und trotzdem war es schön“